Aktuell (22.06.2019)


Kirchengroßputz in der Marktkirche zum Jubiläum am Freitag, 12. Juli ab 14.00 Uhr. Es werden viele Helfer gesucht (gerne auch Männer).

Herzliche Einladung des Pfarrgemeinderates zum Jubiläum „500 Jahre Marktkirche“ am Sonntag, 21. Juli.
Um 9.30 Uhr ist Festgottesdienst mit musikalischer Gestaltung durch den Männergesangsverein. Für die Kinder ist Kinderkirche. Nach dem Gottesdienst ist Frühschoppen im Jugendheim mit Weißwürsten, Wiener, Brezen und Semmeln.
Weiter geht es mit einer festlichen Andacht um 13.30 Uhr in der Marktkirche, anschl. laden wir zu Kaffee und Kuchen ein. Um 15.00 Uhr erzählt Herr Hermann Römer über 500 Jahre Marktkirche.

Am Dienstag, 23.07.2019 sind zum Dank alle Helfer der Pfarrei, die sich das ganze Jahr über für die Pfarrei engagieren eingeladen (auch PGR, Kirchenverwaltung, Mixdur, Musikgruppe von Bernd Roithmeier, Lektoren, Kommunionhelfer, Blumenschmuck, Kirchenwäsche, Mesner, Kindergartenteam, Ministranten usw.). Beginnen wollen wir um 19.00 Uhr neben dem Pfarrhof (bei Regen im Jugendheim). Wer möchte kann einen Salat oder eine Nachspeise mitbringen. Bitte auch Besteck, Teller und Trinkglas selbst mitbringen.

Der Frauenbund fährt am Dienstag, 23. Juli zum Annabergfest nach Sulzbach-Rosenberg.. Es werden Fahrgemeinschaften gebildet. Abfahrt ist um 18.00 Uhr am Nettoparkplatz. Anmeldung bei Frau Weigl, 544.

Zum Seniorentag am Annaberg am Freitag, 26. Juli wird in Zusammenarbeit mit der Pfarrei Lauterhofen ein Bus eingesetzt. Interessierte bitte bei Frau Bednarsch, Tel. 692 melden.

Am Donnerstag, 25.07. ist um 10.00 Uhr in der Klosterkirche ein Wortgottesdienst zum Schuljahresende. Die Eltern sind herzlich eingeladen, daran teilzunehmen.

Voranzeigen:
Zur Abholung der Altötting-Fußwallfahrer wird wieder ein Bus eingesetzt. Abfahrt am Samstag, 03.08. um 6.00 Uhr am Nettoparkplatz. Anmeldung bei Fam. Peter Hiller, Tel. 609. Um 10.00 Uhr ist Gottesdienst mit den Fußwallfahrern in der Gnadenkapelle.

Am Samstag, 27.07. ist Pfarrfest in Ursensollen; Beginn um 16.00 Uhr mit einem Gottesdienst am alten Bahnhof. Herzliche Einladung dazu.

Marktkirchen-Geschichten zur 500-Jahr-Feier unserer Marktkirche

Die Pfarrei Kastl kann heuer das 500. Weihefest der Kastler Marktkirche (1519 – 2019) begehen.

Für einen schlaglichtartigen Abriss der Geschichte unserer Marktkirche konnte die Kirchenverwaltung mit dem aus Kastl stammenden Gymnasiallehrer Johann Georg Heigl aus Tauberfeld, einen renommierten Geschichtskundler gewinnen. Er stellt in 14 kurzen Texten Interessantes zur Kirchen- und Ortsgeschichte vor.

Die Texte werden jeweils als ‚Doppelnummer‘ folgend im Laufe des Jahres mit dem Pfarrbrief verteilt und an dieser Stelle im Internet veröffentlicht.


Unsere Marktkirche (1)

Das war 1519

Eine Pfarrei Kastl gab es nicht. Der Pfarrer saß in Pfaffenhofen. Sein Amtsbereich erstreckte sich von Hellberg bis vor die Tore Ambergs. Meist hatte er Hilfspriester in Ursensollen und in Götzendorf. Er tat sich schwer, sie zu besolden, denn seine Einnahmen aus den Erträgen des Pfarrgutes und aus Gebühren für Amtshandlungen waren nicht üppig.
Messen las der Geistliche in Pfaffenhofen und im Spital zu Kastl. 1480 hatten Mönche des Klosters den Gottesdienst im Spital übernommen. Dorthin gingen die Leute, vor allem die Gläubigen aus den Einöden und Weilern von Lauterach über Allmannsfeld bis Augsberg, die den längeren Weg nach Pfaffenhofen scheuten. Der Pfarrer klagte, dass „sein Volk nicht zur Predigt und zum Opfern kommt“. Dem konnte durch eine Kirche im Markt abgeholfen werden. Abt Johannes Lang unterstützte den Plan.
Im Winter 1500 auf 1501 und im Jahr darauf schlug man das Holz für den Dachstuhl, wie wir durch neueste Untersuchungen wissen. Doch die Balken blieben liegen. Es kamen nämlich schreckliche Zeiten für Kastl. Kaiserliche Söldner legten im Landshuter Erbfolgekrieg 1504 den Markt bis auf vier Häuser in Asche und raubten 70 Stück Vieh. Der Abt konnte mit 200 Gulden verhindern, dass man das Kloster niederbrannte.
Sulzbacher Plünderer wollten weiteres Vieh wegtreiben. Als sich die Kastler wehrten, gab es drei Tote auf jeder Seite.
1519 erbauten die Kastler, die immer noch unter den Folgen des grausamen Krieges zu leiden hatten, die Marktkirche: schlicht und zweckmäßig. Das Beste, was sie machen konnten.


Unsere Marktkirche (2)

Was blieb von der Gotik?

Wer heute von den Höhen herunter schaut, dem fällt das mächtige Dach unserer Marktkirche auf. So sah es auch der Zeichner der ältesten Ansicht Kastls im Jahr 1537. Die Giebelfront ist schmucklos glatt. Fenster sieht man nicht. Das Bauwerk wirkt, noch ohne das spätere Türmchen, wie eine große Scheune.
Und doch haben wir eine Kirche der späten Gotik vor uns. Zugegeben, diesen Eindruck hat der heutige Besucher nicht. Die Decke ist nicht eingewölbt, sie war schon immer flach. Die Fenster sind nicht spitzbogig, sie wurden später rechteckig vergrößert und durch flache Segmentbögen abgeschlossen. Wo sieht man noch die Gotik?
Außen an der Apsis oben ist eine zugemauerte Öffnung mit einem Spitzbogen. Sie ließ über dem Altar das Morgenlicht herein. An der Nordseite der Kirche ist eine Nische mit einer Darstellung des Ölbergs. In den Zwickeln des Kreuzgratgewölbes
schweben Engel mit Leidenswerkzeugen. Während die Nacht hereinbricht, ziehen die Häscher, angeführt von Judas, herauf zum Garten Getsemani. Über dem knienden Jesus bringt ein Engel den Kelch des Leidens.
Die Jünger schlafen. Johannes sitzt und stützt den Kopf mit der flachen Hand. Petrus greift schon im Liegen mit beiden Händen nach dem Schwert, mit dem er dem Knecht des Hohepriesters das Ohr abtrennen wird. Die Dramatik der kommenden Szene deutet sich an, auch wenn Jakobus noch schlafend in der Ecke kauert.
Die dreiviertel lebensgroßen Sandsteinfiguren stammen noch aus dem frühen 16. Jahrhundert, der Entstehungszeit unserer Marktkirche.


Unsere Marktkirche (3)

Die Pfarrkirche bleibt in Pfaffenhofen

In allen Kirchen der Umgebung werde unbehelligt die neue Lehre verkündet, beklagte sich Abt Johannes Menger 1543 beim Bischof und beim Kurfürsten Ottheinrich, der entlaufene Geistliche sogar noch in Schutz nehme. Auch in der Marktkirche wurde ab 1550 lutherisch gepredigt. Der letzte Abt, Michael Hanauer, versuchte vergeblich, den Pfarrer von Pfaffenhofen, der zugleich Mönch seines Klosters war, wegen „unpriesterlichen Lebens“ zurückzurufen. Mit dem Gottesdienst in der Marktkirche beauftragte Hanauer seinen Prior, aber dieser bezog bald eine Wohnung im Ort und heiratete. Ein weiterer Pater, nämlich Caspar Euvelstätter, der als Prediger ungemein beliebt war, folgte nach zwölf Ordensjahren der neuen Kirchenordnung (wie es damals genannt wurde), gründete eine Familie und wurde kurfürstlicher Verwalter des 1566 aufgehobenen Klosters. 1577 schlug der lutherische Amberger Stadtprediger anlässlich einer Visitation vor, die Pfarrei nach Kastl zu verlegen, da die Gläubigen aus den Ortschaften, die in Richtung Amberg und Sulzbach liegen, einen weiten Weg, der noch dazu durch den Markt führe, nach Pfaffenhofen hätten. Außerdem stünden dort nur acht Häuser.
Aber man ließ es beim Alten. Die Neugeborenen zur Taufe, die Brautleute zur Vermählung und die Toten (des Hinterlandes) zum Begräbnis, alle mussten weiterhin nach Pfaffenhofen.
St. Christoph wurde nicht Pfarrkirche.


Unsere Marktkirche (4)

Bildersturm

Es ist das Jahr 1596. Ein schlichter Altartisch stand in der Marktkirche. Das war alles. Bereits 1567 hatte der kalvinische Kurfürst Friedrich III. (1559-1576) befohlen, „ohne viel Tumult und durch etliche dazu bestellte Personen alles Götzenwerk abzuschaffen“. Er verstand darunter Kruzifixe, Bilder und sämtliche Altäre bis auf einen einzigen. Vor allem die Klosterkirche hat es getroffen. Die Kapelle des Spitals wurde ausgeräumt und war seither für den Gottesdienst unbrauchbar. Alles gegen den Willen der Kastler, die mehrheitlich lieber bei der Lehre Luthers geblieben wären. Das wurden sie auch wieder, als der lutherische Kurfürst Ludwig VI. 1576 die Regierung übernahm.
Aber nun kam 1583 Johann Casimir und verlangte von neuem das kalvinische Bekenntnis. Zunächst riss man das Kirchlein St. Stephan und Laurentius in Wolfsfeld ab. Als Friedrich III. 1596 einen Bildersturm für die Marktkirche anordnete, war dies nur "mit gehaltener Schiltwacht und zugeschlossenem Kürchthor" möglich. Nun streikten die Gläubigen. Zur Predigt kamen weniger als zehn Personen. Zum Abendmahl ging fast niemand, vom Rat gar keiner. Den Bürgermeister störte die Art der Brotausteilung durch die Geistlichen – eine deutliche Ablehnung der Sakramentenlehre Calvins.
Die allgemein befohlene Religionsunterweisung war so schlecht besucht, dass sie der Pfarrer aufgab. Bei einer Visitation 1602 sollten die Kastler zu Glaubensartikeln befragt
werden. Es erschienen nur wenige. Die meisten waren im katholischen Allersburg auf der Kirwa.


Unsere Marktkirche (5)

Marktkirche als Zentrum der Pfarrei

Anno 1752 dem 6. Augusti
Ist in Gott Seelig verschiden
Der wohl Ehrwürdig und Hochgelehrte
Herr Johann Bernhard Margraf .
Iu: C: Pfarrer Alhir
Seines alters 44 Jahr
Gott gebe ihm die Ewige
Ruhe

A¯o 1753 Anno 1753
Die 9 May pie in Dno am 9. Mai fromm im Herrn
obiit Adm PraeclariSs verstarb der herausragende
Dñus Ioan Georg Mederer Administrator Joh. Gg. M.
SS Thlgiæ Cand Paro= der heiligsten Theol. Cand.
chus in Castl æts 51 Añ: Pfarrer in K., 51 Jahre alt.
Cuius a¯a Deo Vivat Seine Seele lebe in Gott

Die zwei Gedenksteine an der Marktkirche loben Frömmigkeit und Bildung der beiden Priester. Wir sind am Beginn der Katholischen Aufklärung. Und man konnte mit den angeführten Prädikaten den gelehrten Jesuiten Paroli bieten. Diese hatten seit 1636 die Klosterburg samt dortiger Kirche in Besitz. Margrafs Amtsvorgänger wollte dem Orden das Haus auf der Burg überlassen. Es sei kein Pfarrhof und er nicht bloß ein Vikar der Jesuiten. Das Ordinariat willigte einem Umzug in den Markt nicht ein.
Margraf besteht darauf, nach Kirchenrecht „Iure Canonico Pfarrer Alhir“ zu sein. Noch deutlicher ist Mederer „Parochus in Castl“. Beide Formulierungen zeigen, dass diese Priester das Zentrum der Pfarrei in der Marktkirche sahen.


Unsere Marktkirche (6)

Die Malteser und der Friedhof

Nach der Aufhebung des Jesuitenordens (1776) übergab Kurfürst Karl Theodor das Kloster den Maltesern. Somit konnte die Pfarrei St. Peter weiterhin nicht nutzen. Aber der Ritterorden nutzte den Friedhof um die Marktkirche.
Zwei Gedenksteine am Vorbau erinnern noch daran.

1803 verstarb Elisabetha Köck. Auf ihrer Gedenktafel steht:
So sinkt die Rose vom Sturm zerknicket
Wie diese Holde nun unter dem Steine hier ruht
Noch von dem Lenze der Jahre geschmücket
ist sie für unsere modernde Erde zu gut

1808 verschied Christoph v. Dettenkofen.
Er starb. Hier gruben sie ihn ein
Leiser, sanfter Trost von Gott gegeben
Und ein Ahnden von dem bessern Leben
(Webt?) um sein Gebein

Die Zeilen atmen den Geist der literarischen Empfindsamkeit, die eine individuelle und subjektive, nicht unbedingt kirchenfromme Religiosität schätzte. Die Zeit der Empfindsamkeit war um 1800 eigentlich schon vorbei. Ihr poetischer Stil blieb aber noch lange populär.
Die Malteser waren es auch, die sich gegen die Auflassung des Friedhofs sperrten, die von der Regierung mit Einverständnis des Pfarrers und des Gemeindemagistrats 1803 befohlen wurde.
Der Gottesacker war zu klein geworden und immer wieder vom Hochwasser bedroht. 1808 zog der Ritterorden ab, und ein Verwaltungsakt (Gemeindeedikt) verlagerte alle Entscheidungen
an das Landgericht. Das zögerte nicht lang.1809 wurde der Friedhof an der Marktkirche eingeebnet.


Unsere Marktkirche (7)

Der Metzgermeister und sein Benefiziat

Über dem Lilienwappen hält ein aufrecht stehender Ochse mit seinen Vorderklauen ein Metzgerbeil hoch. Die Marmortafel, vom Eingang aus links, erinnert an Johann Georg Reiser, Stifter der Frühmesse, vormaliger Bürgermeister, Mitglied des Zivilordens der bayerischen Krone und bürgerlicher Fleischhauermeister, 1824.
Reiser war Bürgermeister von 1776 bis zum Erlass des Edikts von 1808, das die Gemeindemagistrate entmachtete. Eine Zeitlang wurde alles von oben her verordnet. Auch im kirchlichen Bereich bestimmte seit alters her bei einer Neubesetzung der Landesherr den Pfarrer (Präsentationsrecht).
Reiser stiftete ein Benefizium, eine Stelle für einen Hilfsgeistlichen, den er selbst und nach seinem Tod der Gemeindemagistrat präsentieren würde. Ein Benefiziat konnte auch die Seelsorge erleichtern, die durch den weitläufigen Amtsbereich durch die nicht geklärte Stellung der Pfarrkirche (immer noch in Pfaffenhofen?) äußerst mühsam war.
Das Stiftungskapital betrug 9.500 Gulden. Dafür hätte der Lehrer in Kastl vierzig Jahre unterrichten müssen. Von den Zinsen sollte der Magistrat jährlich 375 Gulden in Quartalsraten an den Geistlichen auszahlen.
Die Bevölkerung stand voll hinter Reisers Initiative. 1822 baute die Gemeinde auf dem Gelände des aufgelassenen Friedhofs neben der Marktkirche ein Haus für den Benefiziaten, finanziert durch freiwillige Beiträge. Aber der Wunsch Reisers, man könnte einen Einheimischen auf die Stelle präsentieren, erfüllte sich nie.


Unsere Marktkirche (8)

Kreuzweg

Auf einmal pressiert es. Am 15. Februar 1896 telegrafiert der Pfarrer an das Ordinariat: Neuer Kreuzweg soll errichtet werden durch Franziskaner von Freystadt. Der Gutthäter, welcher denselben bezahlt, stellt in letzter Stunde das dringende Ersuchen, daß die Benediction am Aschermittwoch stattfinde. Bin also gezwungen, auf diesem Wege umgehend um schriftliche Zustellung oberhirtlicher Erlaubniß zu bitten.
Es konnte geholfen werden. Am 19. Februar antworteten dieFranziskaner. Alleinig diesem Orden war 1731 durch ein päpstliches Dekret erlaubt worden, Kreuzwege zu errichten, mit allen Ablässen wie zu Jerusalem. Dort hielten sich nach den Kreuzzügen nur noch die Franziskaner als Vertreter der lateinischen Christenheit auf. Sie führten die Pilger durch die Via Dolorosa. Die Heimgekehrten bauten an vielen Orten den Leidensweg Christi nach, oft vom Stadttor aus hinauf zu einem Kalvarienberg.
Die Romantik bewunderte mittelalterliche Frömmigkeit und Kunst. Das fand seinen Ausdruck im Stil der Nazarener. So bezeichnete sich eine Gruppe deutschsprachiger Maler in Rom kurz nach 1800. Sie griffen gerne auf religiöse mittelalterliche Motive zurück und sprachen mit farbenfrohem Realismus das Gemüt des Betrachters an. Ihr Stil wurde sehr populär.
So erlebten auch die Kreuzwege im 19. Jahrhundert eine neue Blüte. Wieder unter Anleitung der Freystädter Franziskaner errichtete man die Stationen auf dem Kalvarienberg. Am 14. Juli 1901 wurde die Urkunde ausgestellt für den Kreuzweg in loco Kastl in Monte Calvario.


Unsere Marktkirche (9)

Ein katholisches Gesellschaftsmodell

Im Deckenmedaillon steht Maria auf einer Wolke, begleitet von zwei schwebenden Engeln, und zeigt ihr Kind einer andächtigen Versammlung, die aufgeteilt ist in den geistlichen Stand rechts von der Gottesmutter und in die weltlichen Stände links..
Die dominierende Figur auf Seiten des Klerus ist der Papst im liturgischen Gewand. Ein Weltgeistlicher und ein Franziskaner
knien vorne. Im Hintergrund stehen weitere Mönche und zwei Nonnen.
Die weltliche Gesellschaft wird von einem Herrscher angeführt, gekleidet in einem roten Mantel mit breitem Hermelinüberwurf.
Ihm zur Seite ist eine Dame mit einer Art Krone im Haar. Die sonstige Bevölkerung ist in wallende Gewänder gehüllt. Im Vordergrund kniet ein barfüßiger Junge. Die meisten Personen breiten ihre Arme in ehrerbietiger Haltung aus und schauen empor zur Madonna und dem göttlichen Kind. Die Botschaft scheint klar: Kirche und Staat sind hierarchisch geordnet, zwar voneinander äußerlich geschieden, aber in der Verehrung der Gottesmutter und ihres Sohnes einig.
Es scheint, als habe es keine Säkularisation gegeben, als gäbe es keine bürgerlichen und unterbürgerlichen Schichten, keine
Arbeiterklasse, die allesamt im 19. Jahrhundert der Kirche fremd geworden sind, als hätte es in jüngster Zeit keinen Kulturkampf des Staates gegen alles Katholische gegeben.
Das Gemälde aus dem Jahr 1895 ist Ausdruck des frommen Wunsches, dass die im Kaiserreich hart aufeinander prallenden
sozialen, politischen und weltanschaulichen Gegensätze durch den Glauben überwunden würden.



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